Biography
Ido Ramot ist ein deutsch-israelischer Pianist, Komponist und Improvisator mit einem genreübergreifenden und innovativen Zugang zur Musik. In seinen Konzerten verbindet er nahtlos Improvisation und eigene Kompositionen und schafft so bewegende Klangwelten jenseits stilistischer Grenzen. Als musikalischer Botschafter jüdischer und nahöstlicher Kultur bringt er deren Klangtraditionen in einen zeitgemäßen, künstlerisch freien Kontext.
Ido Ramot ist sich seiner Verantwortung als Jude sehr bewusst und sieht es als Teil seiner künstlerischen Mission, durch Musik Aufmerksamkeit für Antisemitismus zu schaffen und kulturelle Brücken zu bauen.
Sein Orchesterdebüt gab er im Alter von neun Jahren mit dem Johannesburg Symphony Orchestra. Seitdem trat er als Solist auf führenden Bühnen in Europa, dem Nahen Osten und den USA auf – darunter die Berliner Philharmonie, das Konzerthaus Berlin, die Liederhalle Stuttgart, das Tel Aviv Museum of Art und die Dubai Opera. Er ist regelmäßig in Rundfunk- und Fernsehsendungen in Israel, Deutschland und Italien zu hören. Edit
Ramot ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter die Goldmedaille beim Maria-Canals-Klavierwettbewerb in Barcelona, der Erste Preis beim Chopin-Wettbewerb in Tel Aviv, zweifacher Gewinner des „Piano Forever“-Wettbewerbs in Ashdod, Preisträger beim Europäischen Klavierwettbewerb in Bremen sowie Dritter Preis beim Wettbewerb „Les Étoiles du Piano“ in Lille. Zudem wurde er mit dem exklusiven Exzellenzstipendium der America-Israel Cultural Foundation ausgezeichnet.
Ramot hat eng mit Dr. Itzhak Kossov, Prof. Alexander Korsantia und Prof. Eldar Nebolsin zusammengearbeitet und setzt seine künstlerische Zusammenarbeit mit der renommierten Pianistin Gabriela Montero fort.
Er ist Mitbegründer und künstlerischer Co-Leiter des Musikfestivals ‚La Casa dell'Arte‘ in der Toskana.

"As artists, it is our duty to push the boundaries of creativity"

Projects
From the Edge of Silence
From the Edge of Silence erforscht den tiefgreifenden Einfluss des Holocaust auf die Musik des 20. Jahrhunderts. Das Programm zeigt jüdische Komponisten, deren Leben und Werk geprägt oder zerstört wurden, ebenso wie jene, deren Musik von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert wurde und die ins Exil fliehen mussten. Es lädt zu einer historischen und stilistischen Reise ein und macht Stimmen hörbar, die durch den Holocaust und seine Nachwirkungen zum Schweigen gebracht wurden.
Den Auftakt bildet Ido Ramots eigens komponierte Hommage „Mosaic“ (2025), die die Vielfalt und Resilienz des jüdischen Volkes feiert und Klänge seiner Heimat – von jiddischen Volksweisen bis zu irakisch-jüdischen Traditionen – miteinander verbindet.
Im Anschluss entfaltet sich das Programm chronologisch: Erwin Schulhoffs Sonate für Violoncello und Klavier (Fassung für Viola) entführt in eine spätromantische Klangwelt, bevor Faschismus, Verfolgung und Exil die musikalische Landschaft radikal veränderten. Paul Hindemiths Sonate schlägt den Bogen zwischen Romantik und volksliedhaften Themen. László Weiners Sonate, 1939 im Angesicht der Deportationen komponiert, trägt bereits die Schatten seines Schicksals – er wurde 1944 ermordet. Darius Milhauds Quatre Visages (1943), im amerikanischen Exil entstanden, zeichnet vier lebendige musikalische Porträts, in denen trotz der Nostalgie für Europa auch Leichtigkeit und Hoffnung aufscheinen. Den Abschluss bildet György Ligetis Sonate für Viola solo (1994): der einsame Klang einer Viola, ein letztes Echo in einem Raum, den die Geschichte zum Schweigen gebracht hat.
La Casa dell’Arte
La Casa dell’Arte entstand aus einer einfachen Frage, die Ido Ramots künstlerisches Schaffen als Pianist und Komponist begleitet: Was geschieht, wenn Musiker aus den traditionellen Konzertsälen herausgelöst und in eine Umgebung gebracht werden, in der Kreativität nicht durch Konventionen begrenzt ist? Eingebettet in die Landschaft der Toskana wurde das Festival als ein Raum konzipiert, in dem sich Musik frei entfalten kann — geprägt von Ort, Menschen und dem jeweiligen Moment.
Gemeinsam mit der Pianistin und innovativen Kuratorin Viviana-Zarah Baudis entwickelte Ramot La Casa dell’Arte zu einer Plattform für genreübergreifende Begegnungen. Hier trifft klassische Musik auf Improvisation, Jazz und elektronische Klangwelten. Anstatt Künstlerinnen und Künstler in feste Kategorien einzuordnen, fördert das Festival Experimente und Austausch. Unterschiedliche musikalische Sprachen können sich begegnen, einander herausfordern und sich im gemeinsamen Prozess neu formen.
La Casa dell’Arte versteht sich daher nicht nur als Festival, sondern als künstlerisches Labor — ein Ort, an dem Musikerinnen, Musiker und Publikum auf Augenhöhe zusammenkommen und Musik atmen, kollidieren und überraschen darf.
Geprägt von der toskanischen Landschaft, ihrem Licht und ihrer besonderen Atmosphäre, spiegelt das Festival die Überzeugung wider, dass bedeutungsvolle künstlerische Erfahrungen dort entstehen, wo Offenheit, Neugier und künstlerisches Risiko Raum erhalten.
Compositions
Komposition ist für Ramot eine sehr persönliche Suche nach seinen musikalischen Wurzeln – nach seiner eigenen musikalischen Stimme.
In seiner Musik bringt er unterschiedliche musikalische Welten zusammen. Seine Ausbildung als klassischer Konzertpianist prägt ihn stark und verleiht seiner Musik einen westlichen Einfluss. Gleichzeitig findet er durch das Komponieren immer wieder zurück zu seinen nahöstlichen und jüdischen Wurzeln.
Seine Musik versteht sich als Brücke zwischen diesen beiden Welten. Dabei gibt sie auch einer musikalischen Tradition eine Stimme, die unter den jüdischen Gemeinschaften des Nahen Ostens über Generationen existierte, deren Klang jedoch heute oft in Vergessenheit geraten ist.
Ramots Musik bewegt sich dabei ganz natürlich zwischen Tradition und Innovation. Inspiriert von der symphonischen Klangsprache der Wiener Schule, der Spontaneität des Jazz und den Volksmelodien, die über Generationen weitergegeben wurden, entsteht eine Musik, die offen für neue Entwicklungen ist und zugleich tief verwurzelt bleibt.
Neben traditionelleren Besetzungen komponiert Ramot auch für Synthesizer und elektronische Klangwelten. Dadurch erweitert er kontinuierlich seinen musikalischen Horizont und schafft einen Raum, in dem sich Einflüsse frei begegnen und weiterentwickeln können.
Ramots Werke reichen von Soloklavierstücken und Kammermusik bis hin zu gemischten Besetzungen für Klavier und Synthesizer. Gleichzeitig erweitert sich sein künstlerischer Fokus zunehmend in Richtung Kompositionen für größere Ensembles. Seine Musik wurde bereits von renommierten Künstlern wie Senja Rummukainen, Viviana-Zarah Baudis, Miguel Erlich und Mon Puo Lee aufgeführt.
Ein zentrales Element seines musikalischen Denkens ist Rhythmus. Für Ramot ist Rhythmus ein zutiefst menschlicher Instinkt – eine ursprüngliche musikalische Kraft, die in jedem Menschen lebt. Diese Faszination führt ihn immer wieder zur Auseinandersetzung mit östlichen Volksmusiktraditionen, die er mit seiner westlich-klassischen Ausbildung verbindet.
In seinen Werken wird Rhythmus zu Bewegung, Energie und emotionalem Puls. Er prägt eine Musik, die zugleich erdverbunden, lebendig und zukunftsgerichtet ist.
Olive Branch
Ido Ramot spielt seine eigene Komposition Olive Branch, ein Werk, das der Sehnsucht nach Frieden in seiner Heimatregion, dem Nahen Osten, gewidmet ist. Es vereint Hoffnung mit der tragischen Erkenntnis einer ungelösten Realität und lässt den Hörer mit einem offenen Ende zurück.
Travelers
Ido Ramot spielt Travelers, seine Komposition für Klavier und Elektronik. Das Werk greift auf Volksmusik zurück, die er von seiner kurdischen Großmutter übernommen hat, und verbindet sie mit seiner Faszination für neue Klangwelten und Improvisation.
Messiah
Ido Ramot spielt seine eigene Komposition Messiah, basierend auf dem bekannten hebräischen Lied Moshiach von Mordechai ben David. Er verwandelt dessen zentrales Thema in ein wildes, virtuoses Werk mit starkem rhythmischem Antrieb und einer fantasievollen, farbenreichen Klangwelt.

TEACHING
Ido Ramot zählt zu den innovativsten Persönlichkeiten in der Wiederbelebung der Improvisation in der klassischen Musik. Als Echtzeit-Komponist hat er sich mit Auftritten etabliert, die von neu gestalteten Mozart-Kadenzen bis hin zu ausgedehnten Solo-Klavierimprovisationen reichen. Für seinen visionären Zugang zur spontanen Musikgestaltung wird er international geschätzt.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Ramot ein engagierter Pädagoge, der seine Leidenschaft für Improvisation mit großer Hingabe weitergibt. Sein Unterricht ist ganzheitlich ausgerichtet und orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen jedes einzelnen Musikers. Im Mittelpunkt stehen dabei die persönliche Beziehung zum Instrument, die Entwicklung einer eigenen künstlerischen Identität sowie eine nachhaltige musikalische Entfaltung.
Musikerinnen und Musiker, die sich am Instrument freier fühlen möchten, lernen wollen, „zu sprechen statt zu rezitieren“, und ihre eigene künstlerische Stimme finden möchten, profitieren von Ramots vielfältigen, individuell zugeschnittenen Kursen und Workshops.
Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne direkt an Ido Ramot.
